Geschichte der Juden in Worblingen

1604
verlieh Kaiser Rudolf II der Familie von Dankertsweil für die gesamte Herrschaft Worblingen das Privilegium „de non evocando“, sowie das freie Gericht mit Ausnahme des Blutbanns; die Landeshoheit verblieb weiterhin (bis 1810) bei der Landgrafschaft Nellenburg.

1611
Aufnahme von aus Angst vor Pogromen aus dem Kanton Thurgau, wo die Pest wütete, geflüchteten Juden.

1655
gab Karl Friedrich von Hohenems in seiner Eigenschaft als Vogt der Landgrafschaft Nellenburg seine Zustimmung zur Aufnahme von jüdischen Schutzbürgern.

1666
im Steuerregister Worblingen wurden drei jüdische Familien als „Dankertsweiler Schutzjuden“ genannt.

1675
Aufnahme von weiteren fünf jüdischen Familien.

1706
Verkauf der Grundherrschaft Worblingen an den Freiherrn Heinrich Christoph von Liebenfels; damals lebten sechs jüdische Schutzfamilien am Ort.

1743
wie in Randegg und Gailingen wurden auch in Worblingen durch die Liebenfelser aus dem fürstenbergischen Stühlingen vertriebene jüdische Familien aufgenommen.

1760
waren vier jüdische Familien ansässig; ihre Namen waren: Biggert, Guggenheim, Salomon und Weyl.

1770
führte Jacob Weil, Händler und Krämer, mit seinen Knechten und Fuhrwerken einen umfangreichen Warenverkehr, u.a. mit Kaffee und Zucker im gesamten Bodenseeraum, auf der Baar und im Schwarzwald.

1775
gestattete Lämmle Guggenheim der jüdischen Gemeinde die unentgeltliche Benützung seiner Stuben zur Abhaltung der „Schul“.

1790
wurde den jüdischen Haushaltungen durch Bescheid des Liebenfelsischen Obervogteiamtes weiterhin die Entrichtung eines jährlichen Satz , Wächter  und Kaminfegergeldes in der Höhe von 4 fl. und 32 Kreuzer auferlegt.

1808
erste Nennung eines jüdischen Bethauses im Eigentum der Gemeinde mit einem Schätzwert von 400 Gulden.

1810
wurde das o.g. Bethaus als Synagoge bezeichnet.

1814
zählte die jüdische Gemeinde 46 Personen; der christliche Anteil der Bevölkerung lag bei 221 Personen.

1817
kauften Jacob Weil und Johann Heinrich Vellmeth aus Karlsruhe die Herrschaft Worblingen zu dem günstigen Preis von 54.000 Gulden und verkauften sie ...

1819
an den Sigmaringer Hofmarschall Karl von Voumard.

1825
zählte die jüdische Gemeinde 66 Personen bei 304 Christen.

1827
wurde Worblingen dem Großrabbinat Gailingen zugeteilt.

1834
hatte die arme jüdische Ortsgemeinde einen Steuerwert von 300 Gulden (zum Vergleich: der 1817 in Privatbesitz übergegangene Hittisheimer Hof hatte lt. Steuerregister einen Steuerwert von 22.350 Gulden).

1843
kauften nach dem Ende der alten Herrschaft Worblingen Jacob Mayer, Abraham und Lazarus Levi, alle Israeliten aus Worblingen, das gesamte Schlossareal und das noch vorhandene ehemalige herrschaftliche Grundvermögen.

1850
prägte ein reges kulturelles und politisch aktives Leben die kleine, aber aufstrebende jüdische Gemeinde: Einrichtung einer selbstfinanzierten jüdischen Privatschule, Stiftungen für bedürftige Gemeindemitglieder, Mitgliedschaften im Bürgerausschuss, Gemeinderat usw.

1857
zählte die jüdische Gemeinde 139 Personen bei 659 Christen.

Anlage eines eigenen Friedhofes für die jüdische Gemeinde, die bislang ihre Toten auf dem jüdischen Friedhof in Gailingen gegen hohe Gebühren und Abgaben beerdigen musste.

Seit 1860
stete Abwanderung der Juden in die Städte Konstanz, Zürich und Karlsruhe.

1882
wurde nach einem Brand auf dem Grundstück des Herz Guggenheim ein neues jüdisches Schlachthaus errichtet.

1902
wurde die jüdische Gemeinde Worblingen aufgelöst und der Gemeinde Konstanz zugeordnet.

1906
wurde die Synagoge im Auftrag des Rabbinats zum Abbruch versteigert.

1908
verließen Jacob Rothschild (Goeßejacoble) und …

1910
Jeanette Levi Worblingen; sie zogen nach Gailingen bzw. nach Konstanz; die jüdische Gemeinde war erloschen.